Johanna

Ganz schön Krank

Hashimoto

Im Jahr 2007 kam die Diagnose Hashimoto (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), gepaart mit einer sich stetig verschlimmernden Schilddrüsenunterfunktion. Die Diagnose kam fast als Erleichterung, weil mir endlich klar, was mit meinem Körper nicht in Ordnung war.

Je nach Einstellung der Medikation, habe ich massive Herzrhythmusbeschwerden, starken Haarausfall, Zahnfleischbluten, depressive Phasen, und massive Probleme mit der Halswirbelsäule. So manch einer würde auch sagen, ich hätte Gewichtsprobleme, doch erstens stimmt das natürlich nicht, und zweitens könnte das auch an meinem durchaus von Genuss geleiteten Essverhalten liegen.

Seitdem ich Hashimoto habe, treten auch immer wieder andere Erkrankungen auf, da mein Immunsystem manchmal nicht sonderlich belastbar ist, wie z.B. Lichen ruber, Muttermalveränderungen, Gastritis, etc. (auch wenn so mancher Arzt hier keinen Zusammenhang herstellen würde) und außerdem eine chronische Rachenentzündung.

Vor ca. 6 Jahren hatte ich auch eine situationsbedingte Depression, die medikamentös und durch Therapie mehr oder weniger ausgeheilt wurde.


TabuTabuTabuTabu

Krank sein ist nichts Angenehmes. Besonders, wenn der eigene Körper sich selbst angreift, man sich also quasi selber das Leid antut. Wenn man dann gesagt bekommt, in meiner Situation solle man doch generell Stress vermeiden, so trägt das nicht gerade zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Insbesondere, wenn man endlich einen Arbeitsplatz gefunden hat, für den man Jahre lang hart gearbeitet und gekämpft hat, der allerdings fast täglich massiven Stress bedeutet und mit viel Reisetätigkeit verbunden ist.

Manchmal ist es schwer, sich selbst einzugestehen: Ich bin krank. Denn besonders, wenn man dazu neigt, generell alles unter Kontrolle halten zu wollen, und man gerade in dieser Hinsicht vom eigenen Körper aufs sträflichste im Stich gelassen wird, ist es einem manchmal so richtig zum heulen.

Was aber eigentlich noch viel schlimmer ist, ist die Reaktion der  Gesellschaft auf Krankheit. Oftmaliger Krankenstand und geringere Belastbarkeit ist selbstverständlich vom Arbeitgeber nicht gern gesehen. Depression wird oft mit absolutem Unverständnis begrüßt, oftmals vermutet man Faulheit, Hysterie oder Ähnliches dahinter. Offen darüber reden, was einem fehlt, sollte man sowieso auf keinen Fall, denn welche Versicherung würde einen noch als Kunde akzeptieren, welcher Arbeitgeber sollte einen noch freiwillig einstellen?

Es ist traurig, dass auch heute noch Krankheit und Behinderung als Tabu empfunden wird, ganz besonders wenn es um psychische Erkrankungen geht. Das ist deswegen tragisch, als die Menschheit immer kränker wird, nicht zuletzt hervorgerufen durch die Art und Weise, in der wir im Moment kollektiv beschlossen haben zu leben und miteinander umzugehen.

Wir alle müssen lernen, dass Krankheit und Elend zum Leben dazu gehören, dass es ein Teil dessen ist, was uns ausmacht. Dies zu tabuisieren oder schlicht zu ignorieren, wäre fahrlässig. Das sollten wir akzeptieren, sowohl als Privatpersonen, als auch als Arbeitgeber, Politiker, Familienmitglied, usw. Sich davor zu fürchten, mit kranken Menschen in Berührung zu kommen und sich zu weigern zu begreifen, dass Krankheit ganz normal ist, das  wäre ganz schön krank. Denn auch Kranke können „ganz schön“ schön sein.