Josef

Ganz schön Krank

Prolaktinom

Am 17. 05. 1994 wurde ich in einer 11 stündigen Operation an der Hypophyse wegen eines Hypophysenmakroadenom/Prolaktinom operiert. Das war ein gutartiger, Hühnerei großer Tumor, ausgehend von der Hirnanhangdrüse, der zusätzlich das weibliche Hormon Prolaktin produzierte. Eine komplette Hypophysen-Vorlappeninsuffizienz mit inoperablen Resttumorgewebe an der Arteria carotis interna.

Prolaktin ist das weibliche Hormon, das während der Schwangerschaft die Brüste der Frau zur Milchproduktion anregt. Männer haben dieses Hormon auch, nur in einer sehr geringen Menge. Dadurch, dass mein Resttumor weiterhin aktiv ist, nehme ich dagegen ein Medikament zum Abstillen.
Der Normalwert des Hormons Prolaktin bei einem gesunden Mann beträgt 3,0 bis 14,7 ng/ml. Bei mir war der Wert zum Zeitpunkt der Operation bei über 5000 ng/ml. Zudem habe ich wegen der Größe des Tumors eine beidseitige, bleibende Gesichtsfeldeinschränkung. Während der Operation stellten die Ärzte fest, dass der Tumor mit dem Gehirn verwachsen war, wodurch unter anderem auch die extrem starken Kopfschmerzen entstanden. Durch die fehlende Hypophyse muss ich alle Hormone durch Medikation ersetzen. Einziger Vorteil: Die extremen Kopfschmerzen sind weg. 

Leider habe ich durch die zusätzliche Gabe an Corstison sehr stark an Gewicht zugelegt (Adipositas) und bin an diabetes insipidus centralis erkrankt. Ich bin zu 50% schwerbehindert. 

 

Der Glaube an Gott gibt Kraft!

Früher war ich Lokführer (Beamter im mittleren technischen Dienst auf Probe). 
Heute bin ich Frührentner.
Wegen der niedrigen Rente musste ich immer in einem Minijob tätig sein. Es hat lange gedauert, 8 Jahre, bis ich eine Firma gefunden habe, bei der das Betriebsklima stimmt und auch die Bezahlung. In diesen 8 Jahren hatte ich immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen, nach dem Mott: "Leute, die etwas am Kopf haben, sind dumm." 
Auch die Arroganz und Überheblichkeit von manchen Mitmenschen haben mir sehr zu schaffen gemacht. Ich wurde in diesen Jahren oft ausgenutzt und für dumm verkauft. 
Trotzdem habe ich nicht aufgegeben.
Mit Sicherheit hat mir mein Glaube an Gott auch geholfen.
Es ist die Kraft, wieder neuen Mut zu fassen. Es ist die Kraft, wieder neu anzufangen - nach jeder Demütigung, Beleidigung oder sonst irgendeiner gemeinen Äußerung.
Natürlich hatt auch ich meine Durststrecke, Zweifel an Gott - nach dem Motto: "Warum trifft es gerade mich?" Deswegen bin ich auch 11 Jahre lang in keinen Gottesdienst mehr gegangen. Aber den Faden zu Gott ließ ich nicht abreissen. Und das war gut so! Ich war zweimal in Frankreich im Wallfhartsort Lourdes. Dort gibt es eine sogenannte "Krankenprozession". Ich hatte noch nie so viele Schwerstkranke auf einmal gesehen. Und mir wurde bewusst: Eigentlich geht es mir trotz meines Handicaps relativ gut!
Glaube an Gott heißt für mich: Ich bin davon überzeugt, dass es einen Gott gibt und das Leben nach dem Tod weitergeht! Was für einen Sinn hätte sonst mein, hätte sonst unser Leben?
Gott hilft nicht am Leiden vorbei, sondern hindurch. Und der Sinn des Lebens besteht für mich darin, mein Leben so anzunehmen, wie es ist. Mit all den Höhen und Tiefen. Auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt. Aber auch anderen Menschen Freude bereiten, denn die Freude und Dankbarkeit kehrt zu einem selbst zurück. Es sind ja oft kleine, nette Gesten, eine herzliche Umarmung oder auch aufmunternde Worte eines Mitmenschen, die einem wieder die nötige Kraft geben, sein Handicap neu anzunehmen. 
Und in jeden dieser Mitmenschen ist dann ja auch in gewisser Weise Gott vertreten.