Luisa

Ganz schön Krank

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose, oder kurz MS, ist eine „ich kenne auch jemanden, der das hat“ – Krankheit. Die Deutsche MS-Gesellschaft (DMSG) berichtet von bundesweit ca. 130.000 Betroffenen, die an der entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems, also Gehirn und Rückenmark, leiden. Hierbei wird aus bisher nicht geklärter Ursache vom Körper selbst  die Schutz- oder Isolierschicht der Nerven, das sogenannte Myelin, angegriffen, es kommt an den entsprechenden Stellen zu Entzündungen, Impulse und Reize können nicht mehr optimal weitergeleitet werden, was sich dann beispielsweise in Missempfindungen, Lähmungen, Schmerzen, Sehstörungen oder Schwindel zeigen kann. Dies wird als „Schub“ bezeichnet. Ein Schub kann sich über Stunden oder Tage aufbauen und von selbst oder durch hochdosiertes Cortison wieder  abklingen. Nach dem Abklingen kommt es entweder zu einer vollständigen Wiederherstellung der normalen Funktionen oder das Gewebe vernarbt („sklerosiert“) und es bleiben dauerhafte Schäden zurück. Durch verschiedene Medikamente können die Abstände der Schübe verlängert und die Schwere ihrer Auswirkungen gemildert werden. Dennoch bleibt die MS eine chronische, nicht heilbare Erkrankung mit sehr individuellen Verläufen, die von nahezu keinerlei Einschränkungen bis hin zu kompletter Pflegebedürftigkeit führen kann.

 

Hör auf dein Herz

Ich war 23 Jahre und 2 Tage alt - mitten in der Ausbildung zur Ergotherapeutin. Plötzliche Schmerzen im Knie und dann eine innerhalb von Stunden aufsteigende Taubheit in beiden Beinen Überkam mich an diesem Tag. Aufgrund der Ausbildung  blühte meine Phantasie an möglichen Ursachen. Doch tief im Inneren spukte vor allem die Angst, dass es MS sein könnte. Als die Diagnose genau eine Woche nach meinem 23. Geburtstag feststand, waren es Schock und Erleichterung gleichzeitig. Wie sollte mein Leben weitergehen? Wozu noch eine therapeutische Ausbildung, wenn ich selbst so schwer krank bin? Wie sollte ich die drei Stockwerke zu meiner Wohnung auf Dauer bewältigen? Meine Welt blieb stehen und brach in sich zusammen. Andererseits: Ein Feind, dessen Name man kennt, lässt sich bekämpfen. Und mit einer wunderbaren Familie und tollen Freunden an der Seite muss es doch Wege und Möglichkeiten geben! Und die gab und gibt es! Dank 5 Tagen Cortison-Infusionen klangen die Symptome langsam ab und die Erfahrung, dass auch ein schwerer Schub nahezu komplett abheilen kann, gab mir Kraft. Ich fand allmählich in den Alltag zurück und konnte mein Leben von „früher“ wieder aufzunehmen.

 

Diese Erfahrung, die Erlebnisse, die Schmerzen – Das ließ mich ganz anders über mich und das Leben nachdenken. Die Zeit ist zu kurz, zu kostbar, um sie mit Dingen zu füllen, die man nicht wirklich liebt: Zielen nachzueifern, die nicht die eigenen sind, sich in Rollen pressen zu lassen, die einem nicht entsprechen. Was pathetisch klingen mag, ist so wahr und die Frage, wie ich mein Leben gestalten möchte, bekam eine ganz andere Qualität.

Mein Herz schlägt für kreativ-gestalterische Arbeiten – Und ist es nicht viel wichtiger, auf sein Herz zu hören und auf all die vermeintlichen „Sicherheiten“ im Leben zu verzichten? Seinen ganz eigenen Weg zu gehen, egal, was andere darüber denken?

 

Ich gebe zu, es musste viel Zeit vergehen, um diesen „meinen“ Weg zu finden. Die Ausbildung zur Ergotherapeutin habe ich letztendlich zu Ende gebracht. Aber ich habe gelernt, auf mein Herz zu hören, meine Zeit mit dem zu füllen, was ich wirklich möchte, nämlich dem Nähen, Stricken, Sticken, ganz einfach dem Kreativsein! Der Verkauf von Selbstgemachtem macht mich (bisher) nicht auf dem Konto reich, dafür in der Seele umso mehr. Heute gestalte ich mein Leben auf „LuisasArt“ - Und dass ich dann nach dem Examen 2008 fast 4,5 Jahre schubfrei war, spricht doch für sich, oder?

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