Thomas

Ganz schön Krank

Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische, schubweise verlaufende Erkrankung. Die geschwürigen Entzündungen können den gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum After betreffen. Am häufigsten tritt Morbus Crohn im Bereich des unteren Dünndarms zum Übergang in den Dickdarm auf. Die Erkrankung breitet sich nicht kontinuierlich aus, sondern sie kann auch mehrere zusammenhängende Stellen des Verdauungstraktes befallen. Ausserdem erfasst sie nicht nur die oberste Schleimhautschicht, sondern kann auch alle anderen Schichten der Darmwand befallen. Typische Beschwerden sind vor allem Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichstverlust, Stenosen undFisteln im Bereich des Afters. Bei vielen Betroffenen wechseln sich Schübe mit langen Remissionsphasen ab, bei anderen tritt die Erkrankung leider heftiger und mit häufigeren Entzündungsschüben und Stenosen oder Fisteln auf.

 

Ein Lächeln

Ich stellte mir 13 Jahre lang immer wieder die selben Fragen: "Was ist das? Woher kommt das? Bilde ich mir das nur ein?"
Schmerzen, Koliken, Durchfälle. Das alles musste doch einen Grund haben.
Ich wurde 13 Jahre lang von einem Facharzt zum nächsten gereicht. Die Wartezimmer im Umkreis von 100 km kenne ich schon auswendig - und immer die gleichen, langweiligen Zeitschriften.
Ich hatte sämtliche Verdachtsdiagnosen von Psyche, Einbildung, Magenschleimhautentzündung. Ja, das härteste war der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs. Und das sogar eine Woche vor Weihnachten. Im neuen Jahr erfuhr ich erst, dass sich der Verdacht nicht bestätigte. Krebs war's nicht, jedoch hatte ich wieder keine Diagnose, was mir nun fehlt.
Nach einigen Monaten, hab ich mich entschlossen, mir neue Ärzte zu suchen, wieder mal. Der Hausarzt schickte mich sofort zur Spiegelung, ja sogar zu einem Internisten, den ich noch nicht kannte. Bei diesem angekommen stellte ich fest: Ich werde, endlich, nach 13 Jahren ernst genommen. Alle zuvor hatten meine Symptome (wie zum Beispiel die Durchfälle) belächelt. Er nicht. Er nahm mich ernst. Ich hatte endlich volles Vertrauen zu einem Arzt.

Es war im Mai 2008 als dann wieder einmal eine Magen- und Darmspiegelung gemacht wurde, mir etliche Milliliter Blut abgezapft wurden und: Wieder einmal eine Woche warten, bis ich dann vielleicht eine Diagnose bekomme.
Aufgeregt warte ich im Wartezimmer. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Rein zum Arzt und er erklärte mir erst einmal was mir fehlt und wie die Vorgehensweise ist. als ich dann mal fragte, welche Diagnose es nun sei. Er meinte: "Ich habe sie gerade über Morbus Crohn aufgeklärt, die Krankheit, die sie schon seit vielen Jahren beschäftigt."
Ich hab' daraufhin die Praxis mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen, ich wußte nicht, was jetzt auf mich zukommt.

Aber ich war glücklich: Endlich, ich habe eine Diagnose. Es folgten Monate mit Pillen in rauen Mengen und ein Arztbesuch jagte wieder den nächsten. Dabei habe ich wieder einmal das Vertrauen zum Arzt verloren, als der mir sagte: "Sie müßen wieder eine Pille mehr am Tag nehmen." Daraufhin habe ich mir 70 km von meinem Wohnort eine Gastroenterologin gesucht, von der ich schon viel gehört hatte.
Bei ihr wurde ich noch einmal in voller Gänze über "MC" aufgeklärt. Die Pillen wurden abgesetzt. Ich erhielt Spritzen.

Und bei dieser Ärztin fühlte ich mich von Anfang an aufgehoben, denn sie nimmt mich mit meinen Beschwerden bis heute ernst. Zwischenzeitlich habe ich auch eine TCM-Klinik in Bad Kötzting aufgesucht, bei der alternative Heilmethoden der traditionellen chinesischen Medizin angewandt werden. Dort wurde mir sehr gut geholfen, sodass die Medikamentengabe weiter reduziert werden konnte.
Seitdem ich bei meiner Ärztin bin, gehe ich auch wieder mit einem Lächeln durch die Welt. Ich sehe vieles nicht mehr ganz so verbissen.
Auch wenn ich ab und an mal zu hören bekomme, "Du siehst ja nicht krank aus", lächle ich meinem Gegenüber nur noch ins Gesicht.

Die meisten Menschen verstehen es nicht, was los ist. Was ein Schub ist. Was es bedeutet, immer und ständig auf die "Weise Keramik" rennen zu müssen. Wenn man jede Sorte von Toilettenpapier kennt. Diese Menschen haben keinen Plan. Keinen Plan davon, was es heißt, mit einer chronischen Darmentzündung und den Begleiterkrankungen wie dem chronischem Schmerzsyndrom (im Rücken und in den Beinen) durch die Welt zu gehn. Und diese für sich zu akzeptieren.

"Kranken Menschen" werden genug Steine in den Weg gelegt. Ich bin "ganz schön krank", um betroffene Menschen zu erreichen, um zu zeigen: Du bist nicht allein. 
Aber auch die sogenannten "normalen Menschen" möchte ich ansprechen, vielleicht erhält jemand da draußen eine Erkenntnis und mehr Verständnis für den künftigen Umgang mit anderen, im Miteinander.

Genau aus diesem Grund gehe ich meistens mit einem Lächeln durch den Tag - und mit einer guten Portion schwarzem Humor. Es gibt nur ganz wenige Menschen in meinem Leben, die wirklich wissen, wie es mir geht.
Lachen ist für mich immer noch eine gute Medizin.